Das Wesen des Medienschaffenden

Eske Bokelmann zitiert in „Im Takt des Geldes – Zur Genese modernen Denkens“  Besseler – Musikalisches Hören der Neuzeit:

Vom Blickpunkt des musikalischen Hörens erscheint die Epochenwende um 1600 von vornherein bedeutsam. Damals entstand eine Bühnenkunst in profaner und geistlicher Form, bald Oper und Oratorium genannt. Sie führte 1637 zum Bau von stehenden Theatern für die Öffentlichkeit. Das war etwas Neues. Denn traditionell gab es bisher jene Hoffeste, die seit dem 15. Jahrhundert von Fall zu Fall veranstaltet wurden und bis zum 18. Jahrhundert fortlebten. Ihr Wesen liegt darin, dass nicht nur Berufskräfte etwas vorführen, sondern dass außerdem der Adel selber aktiv teilnimmt: durch Turnier und Ritterspiel, Maskeraden, Umzüge, Wasserfahrten usw. […] Das Operntheater seit 1637 rechnet nicht mehr mit der aktiven Teilnahme des Besuchers. Ihm wird vielmehr ein Werk vorgeführt, das er rein hörend aufnehmen soll. Auf dieser Grundlage beruht der nun allmählich durchgestaltete Haupttypus der Oper. Sie ist ein Kunstwerk, das von Berufsmusikern dargeboten und von den Besuchern angehört wird. Da jeder eine Eintrittskarte kaufen kann, handelt es sich um ein »Publikum« im Sinne der Neuzeit.

Er sagt dazu:

Jeder, der sich mit dem Kauf seiner Eintrittskarte diesem Publikum inkorporiert, nimmt nicht mehr aktiv an dem Fest teil, sondern wird dessen passiver Teilhaber. Das frühere Fest tritt auseinander in Darbietung und Wahrnehmung, in die aktiv Aufführenden und die passiv nur noch Wahrnehmenden.

Das Web 2.0 hat zumindest das Potential, diese harte Grenze zwischen Kunst- bzw. Medienproduzent und Konsument dialektisch aufzuheben.

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