Dandys und Emos

Aus der Ankündigung eines Vortrags von Magnus Klaue:

Seit einigen Jahren hat sich mit den sogenannten Emos eine neue Jugendkultur etabliert, über deren kulturrevolutionären Charakter spätestens seit Martin Büssers Emo-Sammelband Einigkeit besteht. Diese Einigkeit möchte der Vortrag in Frage stellen, indem die Emo-Kultur bezogen wird auf den Dandyismuskult der Jahrhundertwende, von dem sie wesentliche Attribute borgt, den sie jedoch zugleich um seine Radikalität bringt. Zelebrierte der Dandyismus, ebenso wie seine ‚feminine‘ Variante, die Vampmode, eine paradoxe Einheit von Kälte und Verführung und einen Fetischismus der Maskerade, betreibt die Emo-Kultur die Sentimentalisierung des Dandys. Ruft der Dandyismus die Dialektik von Distanz und Nähe ins Gedächtnis, indem er die auf die Spitze getriebene Entfremdung als Voraussetzung der Befreiung begreift, möchten die kathartischen Selbstverwundungen und -entblößungen der Emos Entfremdung tilgen zugunsten einer neuen, postmodernen Empfindsamkeit. Anhand einiger Texten von Charles Baudelaire, Oscar Wilde, Georg Simmel u.a. soll der kritische Gehalt der dandytypischen ‚Blasiertheit‘ (Simmel) erarbeitet werden, der von den Emos preisgegeben wird. Außerdem wird es um den Bedeutungswandel gehen, dem die Mode vom Dandy bis zum Emo unterliegt.

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3 Gedanken zu „Dandys und Emos

  1. Und, wie war der Vortrag?
    Ich selbst empfinde die Emo-Bewegung (die es imho nicht gibt als geschlossenes Produkt) eher als ein Spielball der Mode.
    Dandyismus ist darin nicht erkennbar. Aufgegriffenes wird nicht überspitzt und zynisch bis leger gehandhabt. Es ist lediglich ein Copy+Paste der Mode und Trends vieler anderer Richtungen.
    Leider ist es aber auch nichtmal ein Best-Of…
    Eher das Worst-Case-Scenario ;)

    Emo-tum ist in meinen Augen (und ja, ich habe da meine Vorurteile) vergleichbar mit Microsoft-Quellcode… So richtig kommt man nicht ran, aber was man sieht ist zusammengestückelt, geklaut und ohne richtige Struktur die Klarheit schafft; Komponenten arbeiten nicht sinnvoll miteinander und werden beim nächsten Upgrade wieder komplett über den Haufen geworfen.
    Was dann kommen möge? Guuuuute Frage…

    PS Nochn Nachtrag nicht zum Thema aber Virals und Filmreferenzen:

    Klasse! *G*

    So, ich wünsch eine schöne Woche und auf bald!
    Yeti

  2. Der alte Mann sagt: Copy+Paste ist ja wohl nicht nur bei Emo üblich, sondern eher so ein Strukturmerkmal von Popkultur. Spontan fallen mir nur sehr wenige echte Innovationen ein: LSD vielleicht oder der frühe Punk.

    Das Filmchen ist ja ein netter Beitrag zum Thema „Sportvereine gegen Gewalt und Drogen“

  3. So isses! Und aus diesem Grund hat der Verein und die Filmmacher scheinbar jegliche Gewalt ins Digitale verlagert und die Drogen prophilaktisch selbst bei sich angewandt um den Zugang anderer an eben diese zu verhindern. Vorbildlich…

    Copy&Paste is ja immer Teil von neuen Strömungen, aber ich finde es gibt da einen Unterschied zwischen Zitieren oder ironisch aufnehmen oder einfach nur plumpes Patchworken…

    Übrigens Film… Ist Ihnen der Talentpool2.0 ein Begriff? Letztens in Leipzig gewesen und läuft immer in Erfurt für Filmemacher, „Heinz und Fred“ ist z.b. daraus entstanden letztenendlich. Janas Sommer auch… dieser wurde aber, sagen wirs mal dezent: gemieden von Filmmachern der Region…
    Auch gut: Kunststiftung Moritzburg – mit Glück habe ich da mit einem Kumpel im Juni eine Zusage für einen Kurzfilmdreh. Ist derzeit in der engeren Wahl.

    Mit besten Grüßen und nochmals Glückwünsche für die Unterrichtsführung, die mir und vielen Anderen Spaß am Thema bereitete.
    Yeti

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