Ethik und Moral

Was ist Moral

Der Ausdruck «Moral» kommt aus dem lateinischen mos -Sitte, Brauch, Gewohnheit, Charakter und bezeichnet das, was als richtiges Handeln eines Einzelnen oder einer Gruppe angesehen wird. Und hier fangen die Schwierigkeiten schon an. Bei den Azteken gehörte es zum guten Ton, jeden Sonntag beim Gottesdienst einem auserwählten Opfer bei lebendigem Leib das Herz herauszureißen. Das war nicht schön, aber zu der Zeit ein moralisches Muss. Für einen Taliban gebietet es die Moral nach wie vor, Frauen wie Sklaven zu halten. Und weil Sex mit dem gleichen Geschlecht irgendwie igittigitt ist, sind für jeden tiefgläubigen Juden, Christen und Muslim Homosexuelle unmoralische Kreaturen. Das lässt vermuten, die Sache mit der Moral kommt immer dann ins Spiel, wenn einem die Argumente ausgehen. (Vince Ebert – Denken Sie selbst)

siehe auch: Ist es moralisch, seinen Hund zu essen?

Oder „ordentlich“ formuliert: Moral beschreibt, wie Menschen faktisch handeln und zu Handeln erwarten oder auch, was sie dabei faktisch für richtig halten. Dieser beschreibende Bedeutungsaspekt einer Moral wird auch als Sittlichkeit oder Ethos bezeichnet und umfasst „regulierende Urteile und geregelte Verhaltensweisen“, ohne dass über die rationale oder moraltheoretische Rechtfertigung derselben nachgedacht wird.

Daneben wird mit der Rede von Moral auch ein Bereich von praktischen Urteilen, Handlungen oder deren Prinzipien (Werte, Güter, Pflichten, Rechte) verbunden. So verstanden, wertet eine Unterscheidung von Moral und Unmoral.

Im Historischen Wörterbuch der Philosophie findet sich auf S. 20786:

Der lateinische Grundbegriff deckt sich in einem Kernbereich auch mit unserem heutigen Terminus „Moral“ in der weiteren Bedeutung, nämlich als der Gesamtheit der akzeptierten und durch Tradierung stabilisierten Verhaltensnormen einer Gesellschaft. Das wird besonders deutlich in VARROS (1. Jhd. v. Chr.) Definition des mos als des von allen Mitgliedern einer kohärenten Gruppe geteilten Konsenses, der aufgrund von Tradition ein festes Verhaltensmuster.

Wie stark dieser Begriff des ‹mos› bzw. der ‹mores› am Verhalten orientiert ist, zeigt sich daran, dass er mindestens seit LUKREZ (1. Jhd.) auch zur Bezeichnung von Regelstrukturen im Bereich nichtmenschlicher Naturvorgänge verwendet wird, so z.B. bei Lebewesen, Naturkräften, Elementen.

Zugleich zeigt sich die für unsere Ausdrücke „Moral“ bzw. „moralisch“ charakteristische Mehrdeutigkeit – zum einen konstativ-beschreibend, zum anderen präskriptiv-wertend – schon in ihren römischen Äquivalenten.

Dass dieser Begriff der mores im Sinne von Moral weiter zu fassen ist als der des rechtlich normierten Verhaltens, machen folgende Indizien deutlich:

a) das Institut des zensorischen Sittengerichts neben den normalen Gerichten, welches anders als diese nur nach dem Kriterium der Billigkeit (aequitas) urteilte;

b) das schon im klassischen römischen Recht bekannte Verbot des sittenwidrigen Vertrages (contra bonos mores)

Was ist Ethik

Die theoretische Ausarbeitung unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen und Kriterien moralischer Urteile und Gefühle sind Gegenstand der philosophischen Disziplin der Ethik.

Ethik befasst sich mit der Begründbarkeit von Moral.

Die Ethik bezeichnet man auch als „praktische Philosophie“, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst (im Gegensatz zur „theoretischen Philosophie“, zu der die Logik, Erkenntnistheorie und Metaphysik gezählt werden).

Warum wird Ethik betrieben?

Wir erleben Fragen wie:

  • Was soll ich tun?
  • Wie soll ich leben?
  • Welches höchste Gut soll ich anstreben?

Aber: Menschen sind Doppelwesen:

  • Sie sind instinkt- bzw. triebgesteuert. (z.B. Atmung, Herzschlag, …) und lassen sich von Gefühlen beeinflussen – aber nicht vollständig.
  • Sie haben Verstand/Vernunft – können rational über sich und die Welt nachdenken.

Aus dieser Spannung ergibt sich die Notwendigkeit, über das gute Leben nachzudenken. Menschengruppen und Einzelpersonen haben Systeme entwickelt:

  • Religiöse Systeme: christliche, jüdische, buddhistische, … Ethik
  • Nach Normen und Werten: Egoismus, Hedonismus, Pflichtethik, Mitleidsethik, Konsenstheorie, Utilitarismus
  • Bereichsethiken: Wirtschaftsethik, Tierethik, Bioethik, Medienethik

Übersicht

Moral Ethik
tatsächlich gelebtes Regelwerk sittlicher Verhaltensregeln Nachdenken über Moral
beruht auf Konventionen & Wertvorstellungen, funktioniert ohne Begründung Begründet Moral, fragt nach Sinn und dem Guten überhaupt
Gegenstand der Ethik Wissenschaft und Lehre von der Moral, Moralphilosophie
Bauch: intuitiv, automatisch, sinnlich Kopf: rational, denken, vernünftig
Beschreiben & Werten
z.B.: Lügenverbot, Pünktlichkeit, Rücksichtnahme, aber auch Falschparken, Rücksichtslosigkeit, Verhaltenskodex der Mafia z.B.: Goldene Regel, Kategorischer Imperativ, religiöse Systeme, aber auch Rassenhygiene im Faschismus

Übungsaufgabe

Welche der folgenden Aussagen beziehen sich auf Moral, welche nicht. Begründen Sie Ihre Antwort.

  1. § 37 StVO: Rot ordnet an: „Halt vor der Kreuzung“.
  2. Rauchen schadet dem ungeborenen Kind.
  3. Untreue Ehefrauen werden nach dem Gesetz der Scharia gesteinigt.
  4. Untreue Ehefrauen sollten gesteinigt werden.
  5. Als Radfahrer sind mir rote Ampeln egal.
  6. Spickzettel bei Tests gehören dazu.
  7. Ich putze mir regelmäßig die Zähne.
  8. Ich bin meiner Freundin/meinem Freund treu.
  9. Ich trinke morgens 2 Tassen Kaffee.
  10. Bei Trisomie 21/Down-Syndrom wird meist abgetrieben.

Finden Sie eigene Beispiele für Aussagen/Regeln, die zur Moral gehören bzw. nicht dazugehören.

Zitate

„Heute gilt man ja geradezu als altmodisch, wenn man eine Moral hat.“
Alice Schwarzer (*1942), dt. Feministin

„Das Unbewusste ist viel moralischer, als das Bewusste wahrhaben will.“
Sigmund Freud 1856 – 1939, Begründer der Psychoanalyse

„Alles auf dem Gebiete der Moral ist geworden, wandelbar, schwankend, alles ist im Flusse, es ist wahr: – aber alles ist auch im Strome: nach einem Ziele hin.
Friedrich Nietzsche, Werke I – Menschliches, Allzumenschliches

„Moralische Normen sind bloße Erfindungen der Gesellschaft, um das Individuum unterjochen.“ Krishnamurti

„Und wer seinen Lebenswandel durch die Sittenlehre begrenzt, sperrt seinen Singvogel in einen Käfig.“ Khalil Gibran, Der Prophet

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“ Immanuel Kant (1724-1804), dt. Philosoph

„Die moderne Menschheit hat zwei Arten von Moral: eine, die sie predigt, aber nicht anwendet, und eine andere, die sie anwendet, aber nicht predigt.“ Bertrand Russell (1872-1970), brit. Philosoph u. Mathematiker

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2 Gedanken zu „Ethik und Moral

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