Die Welt aus Null und Eins

Kein Geringerer als Gottfried Wilhelm Leibniz erhebt das reine Verhältnis von 0 und 1 zum Urgrund, zum Inbegriff der ganzen geschaffenen Welt – und ihres göttlichen Schöpfers. Die Dyadik, eine alte mathematische Schreibweise, deutet er, wie Bacon seinen processus-schematismus, als wahrhafte Form dieser gesamten erfahrbaren und unerfahrbaren Welt.
0 und 1, er sieht in ihnen den Gedanken, nein, die Erkenntnis einer »Schöpfung aus dem Nichts«. Deren erste Voraussetzung ist auch für Leibniz das mathematische Apriori, welches in seinen Worten lautet: Cuncta Deus Numeris, »Alles ist Gott (und: Gott ist Alles) durch Zahlen«. Dann ergibt sich ihm weiter: »Wunderbarer Ursprung aller Zahlen aus 1 und 0«, nämlich mit Hilfe der dyadischen Notation, die statt mit zehn nur mit genau zwei Ziffern umgeht und damit sämtliche Zahlenwerte darstellt, die 2 etwa in der Form 10, die 7 als 111 oder die Zahl 9 als 1001. Aber es bleibt nicht bescheiden bei der Dyadik als einer anderen Schreibweise, denn sie, dieser wunderbare »Ursprung aller Zahlen aus 1 und 0«, soll es zugleich sein, »welcher ein schöhnes Vorbild gibet des Geheimnißes der Schöpfung, da alles von Gott und sonst aus Nichts, entstehet«. Anders: »Man siehet auch bey diesem Vorbild, dass in allen Dingen der ganzen Welt eine schöhne Ordnung sey, wenn man nur auf deren rechten Ursprung komt, nehmlich 0 und 1. Eins und sonst Nichts.« aus Eske Bockelmann: Im Takt des Geldes, S. 309

Und Wikipedia weiß zu vermelden:

Leibniz empfand schon Ende des 17. Jahrhunderts die Dyadik (dyo, griech. = Zwei), also die Darstellung von Zahlen im Dualsystem, die er entwickelte, als sehr wichtig. Er sah darin ein so überzeugendes Sinnbild des christlichen Glaubens, dass er damit den chinesischen Kaiser Kangxi überzeugen wollte. Dazu schrieb er an den französischen Jesuitenpater Bouvet:

„Zu Beginn des ersten Tages war die 1, das heißt Gott. Zu Beginn des zweiten Tages die 2, denn Himmel und Erde wurden während des ersten geschaffen. Schließlich zu Beginn des siebenten Tages war schon alles da; deshalb ist der letzte Tag der vollkommenste und der Sabbat, denn an ihm ist alles geschaffen und erfüllt, und deshalb schreibt sich die 7 111, also ohne Null. Und nur wenn man die Zahlen bloß mit 0 und 1 schreibt, erkennt man die Vollkommenheit des siebenten Tages, der als heilig gilt, und von dem noch bemerkenswert ist, dass seine Charaktere einen Bezug zur Dreifaltigkeit haben.“
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s