Lob der Jugend

Maik Hosang und Gerald Hüther blicken in ihrem Buch „Die Freiheit ist ein Kind der Liebe – Die Liebe ist ein Kind der Freiheit“ hoffnungsvoll optimistisch auf die Jugend.

Es gibt manche düsteren Prophezeiungen über das mögliche Unheil, das der heutigen Jugend durch den unbeschränkten Informations- und Medienzugang droht. Nüchterne Studi­en des Medien- und Freizeitverhaltens sagen jedoch eher das Gegenteil: Es gibt zwar das Phänomen der Computersucht, doch die große Mehrzahl der Jugendlichen nutzt das Inter­net vor allem dazu, sich Wissen anzueignen und mit Men­schen überall auf der Welt zu kommunizieren. Sie sitzen we­niger vorm Fernseher als ihre Eltern und treffen sich viel öfter als diese »ganz echt« mit Freunden; und dank der So­zialen Medien haben sie meist mehr Freunde als ihre Eltern. Ein Blick in die Studien verschiedener Freizeitforschungsin­stitute, die man leicht im Internet findet, wird diese Ein­schätzung bestätigen.

 

Neue Gemeinschaftsformen entstehen aber vor allem zwi­schen all den vielen jungen Menschen, die inzwischen selbstverständlich »wir« zu allen anderen Menschen sagen, mit denen sie sich verbunden fühlen, die sich gegenseitig unterstützen und keine Lust mehr darauf haben, Besitz­tümer zu verteidigen. Sie finden sich in den Foren des »World Wide Web« und in den Kneipen und Cafes um die Ecke. Sie engagieren sich für den Erhalt der Vielfalt kultu­reller Lebensformen, für den Artenschutz und gegen die Absurditäten unserer gegenwärtigen Verschwendungsge­sellschaft. Sie sind auf vielfache Weise miteinander vernetzt und können, wenn sie wollen, in kürzester Zeit jede neuen Informationen über den ganzen Erdball verbreiten. Sie las­sen sich nicht vereinnahmen und sie lassen sich auch nicht kaufen. Manchmal bezeichnet man diese Gemeinschaften als die Bewegung der »Kulturell-Kreativen«. Der gemein­same Geist, der sie zusammenhält ist nicht besonders stark, aber dafür schließt er auch niemanden aus, jeder kann sich mit ihnen vernetzen, überall auf unserem Planeten. Sie sind gleichzeitig verbunden und frei. Und sie sind weiter auf der Suche. Ihnen gehört die Zukunft.

 

… tief greifende Veränderung un­seres eigenen Selbstverständnisses. Am deutlichsten spürbar wird sie bei der nachwachsen­den Generation junger Menschen, die angesichts der mit der Digitalisierung und Globalisierung einhergehenden Veränderungen wesentlich besser als alle vorangegangenen Generationen gelernt hat, mit einer wachsenden Komplexi­tät ihrer Lebenswelt und der damit einhergehenden Verun­sicherung umzugehen. Die Auflösung vorhersagbarer Lebensentwürfe und der Zerfall autoritärer Strukturen zwingen diese jungen Men­schen, die Verantwortung für ihre eigene Lebensgestaltung zunehmend selbst zu übernehmen. Sie brauchen die einfa­chen Erklärungen der Biologie des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Für sie gibt es immer weniger, was es festzuhalten und zu verteidigen gilt. Sie sind global vernetzt und fühlen sich auf eine bisher noch nie dagewesene Weise miteinander verbunden. Und sie glauben nicht mehr an das, was in den Lehrbüchern steht. Vieles von dem, was ihren Eltern und Großeltern noch wichtig für ihr eigenes Selbstverständnis war, hat für diese junge Generation seine Bedeutung verlo­ren.

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2 Gedanken zu „Lob der Jugend

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