Angst

MARTHA NUSSBAUM: Nach der schönen Definition von Aristoteles umfasst Angst den Gedanken, dass ein bedeutsamer Schaden droht und man es nicht ganz in der Hand hat, ob man den Schaden abwenden kann, entweder für sich selbst oder andere, um die man sich sorgt. Wie man sieht, gibt es eine Menge Dinge, die bei der Angst falsch laufen können. Man kann falsch darin liegen, ob die Bedrohung überhaupt existiert oder wie groß sie tatsächlich ist. Aristoteles gibt das Beispiel einer Maus, die über den Boden läuft, was keine so bedeutende Bedrohung ist. Angst ist nicht nur ein subkognitiver Vorgang. Sie hat zwar Elemente, die rein physiologisch sind, aber in jeder komplexeren Situation umfasst sie auch kognitive Elemente. Würden wir nur in unserem evolutionären Erbe feststecken, könnten wir die Vorstellung eines Feindes gar nicht bilden. Was sollte das denn sein? Sogar bei den meisten Tieren hat die Angst kognitive Elemente. Ihre Gedanken haben Inhalt, sie haben einen rudimentären Begriff davon, was gut oder schlecht für sie ist. Angst hat einen kognitiven Inhalt – also kann sie auch in die Irre gehen.

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